Die Wäsche ist fertig, aber zu nass. Nicht tropfend, aber deutlich feuchter als sonst – schwer, klamm, und man weiß schon, dass das im Trockner eine Ewigkeit dauern wird oder auf der Leine ewig hängt. Der nächste Gedanke ist naheliegend: einfach nochmal schleudern.
Das ist in den meisten Fällen eine sinnvolle Idee. Aber es gibt ein paar Dinge, die den Unterschied machen zwischen einem Nachschleudergang, der wirklich hilft, und einem, der das Problem nur halb löst.
Wann Nachschleudern tatsächlich hilft
Nachschleudern ist dann sinnvoll, wenn der erste Schleudergang aus irgendeinem Grund nicht vollständig durchgelaufen ist. Unwucht, kurzer Programmabbruch, zu volle Trommel – wenn die Ursache behoben ist, bringt ein zweiter Durchgang echte Ergebnisse.
Es hilft auch, wenn das Programm von Haus aus mit niedriger Drehzahl schleudert. Wer ein Feinwäscheprogramm gewählt hat und die Wäsche danach zu feucht findet, kann einen separaten Schleudergang mit höherer Drehzahl direkt anschließen – vorausgesetzt, die Textilien vertragen das.
Und es hilft, wenn einfach zu viel auf einmal in der Trommel war. Wäsche herausnehmen, Ladung halbieren, neu schleudern – das ist keine perfekte Lösung, aber eine pragmatische.
EMPFEHLUNGEN
Die häufigsten Ursachen – und was wirklich hilft
Ob Fehlercode, Unwucht oder falsches Beladungsmuster – für die drei häufigsten Schleuderprobleme gibt es erprobte Hilfsmittel. Hier findest du meine Empfehlungen auf einen Blick.
✓ Anti-Vibrations-Pads gegen Unwucht
✓ Wäschenetz für Einzelstücke
Worauf man beim Nachschleudern achten sollte
Textilien haben Pflegekennzeichen. Das ist nicht nur eine Empfehlung für den Waschgang – es gilt auch fürs Schleudern. Wolle, Seide und viele Synthetikfasern vertragen keine hohen Schleuderdrehzahlen. Wer empfindliche Wäsche auf 1400 U/min nachschleudert, riskiert Verformungen, Knötchen oder beschädigte Fasern.
Bei robusten Textilien wie Baumwolle, Frottee oder Bettwäsche ist das kein Problem. Die vertragen hohe Drehzahlen problemlos, und genau dort bringt Nachschleudern den größten Effekt.
Ein weiterer Punkt: Die Wäsche vor dem Nachschleudern kurz von Hand gleichmäßig in der Trommel verteilen. Wenn der erste Durchgang wegen Unwucht abgebrochen hat, liegt die Wäsche wahrscheinlich noch genauso ungleichmäßig wie beim Abbruch. Einfach nochmal starten ohne Umverteilen führt oft zum selben Ergebnis.
Wie man einen separaten Schleudergang startet
Die meisten Maschinen haben ein eigenes Schleuderprogramm – oft als „Schleudern“ oder mit einem Schleudersymbol gekennzeichnet. Dieses Programm wäscht nicht, spült nicht, sondern schleudert nur. Drehzahl lässt sich in der Regel separat einstellen.
Wer das Programm nicht findet: Ein Kurzprogramm auf kalt starten und, wenn die Maschine das erlaubt, direkt zum Schleudergang vorspringen. Manche Modelle erlauben es, Programmschritte zu überspringen oder einzelne Phasen separat zu starten.
Wenn Nachschleudern regelmäßig nötig ist
Wer nach jedem zweiten Waschgang nachschleudern muss, hat kein Nachschleuder-Problem – er hat ein Schleuderproblem. Dann lohnt es sich, die eigentliche Ursache zu suchen, anstatt das Symptom immer wieder zu behandeln.
Zu viel Wäsche, falsches Programm, ein Flusensieb das regelmäßig verstopft – das sind Dinge, die sich dauerhaft lösen lassen. Nachschleudern ist eine praktische Notlösung, aber kein Ersatz für einen Schleudergang, der von Anfang an richtig funktioniert.
Wer die Wäsche trotz Schleudern – auch nach einem zweiten Durchgang – noch als zu feucht empfindet, findet auf dieser Seite weiterführende Erklärungen dazu, warum Wäsche nach dem Schleudern noch nass bleibt – dort wird auch erklärt, wann das Problem nicht an der Maschine liegt.

Markus Feller | Ex-Haushaltsgerätetechniker mit 15 Jahren Werkstatterfahrung. Er erklärt, warum deine Waschmaschine nicht schleudert – verständlich, direkt und ohne Fachchinesisch. Kein Hersteller zahlt für seine Empfehlungen.